Willkommen im Bartenwetzer-Wald

Nun ist er wirklich da, mein neuer Lebensabschnitt. In der vergangenen Woche habe ich mich nach einigen Jahren im Erdöl- und Erdgas-Marketing von der Branche abgewendet, um mich auf die Suche nach einem Themengebiet zu machen, das mir noch mehr am Herzen liegt. Ich bin gespannt auf das, was kommen mag und freue mich über jede Überraschung.

Zugegeben: Ich hatte durchaus etwas Bammel vor dem heutigen Montag, die erste Woche ohne eine bezahlte Beschäftigung. Aber Angst haben, gilt nicht. Also ziehe ich mir ab heute die Touristenbrille an und schaue,  was sich so in meiner (Neu)-Heimat erleben lässt. Oder ist man nach sechs Jahren verheimatet am neuen Ort? Egal… Das Abenteuer beginnt mit einer Mini-Wanderungen durch den – nennen wir ihn für Euch Bartenwetzer-Zauberwald – in Melsungen. Denn an Zauber lässt sich einiges entdecken, wenn man nur genau hinschaut.

Melsungen – für die, die es nicht kennen: Eingebettet in ein kleines Tal mit Tausenden von Bäumen liegt unsere historische Fachwerkstadt aus dem Jahr 800 am Fuße der kleinen Fulda in Nordhessen. Wir Melsunger haben einen Mitbewohner der ganz besonderen Art – den Bartenwetzer. Er ist ein Holzfäller mit einer Axt, der jeden Tag in den Wald zieht, um im Wald Holz zu schlagen. Am Ende des Tages schärft er seine Axt an der historischen Brücke in Melsungen. Man hat den Bartenwetzer schon lange nicht mehr gesehen, denn er ist offensichtlich ein scheuer kleiner Bursche. Aber ich bin mir sicher: Wenn man tief genug in die Wälder taucht, wird man irgendwo das Fällen eines Baumes hören oder seinen Singsang, wenn er seine Arbeit erledigt hat.

Der Bartenwetzer weiß jedenfalls, wieso er sich so einen Job ausgesucht hat. Denn die Wälder in und um Melsungen sind atemberaubend schön. Ursprünglich. Wilde Schönheiten in absoluter Einsamkeit. Mit herrlichen Ausblicken über die Landschaft. Geschichten und Sagen scheinen in ihnen verborgen zu sein.

In der strahlenden Morgensonne mache mich auf den Bartenwetzer-Weg 1. Der Wald ruft. Ausgestattet mit Gummistiefeln, dicker Jacke, Smarphone-Kamera und meinem Hund Sam. Der Weg beginnt am Schwimmbad in Melsungen, wo ein großes Hinweisschild auf die drei Wanderwege hinweist, die von hier losgehen. Mit 6,5 km wird der Bartenwetzer 1 als leichter Rundwanderweg ausgewiesen. Ihre Höhenverhältnisse sind mit einigen Hundert Höhnmetern moderat, aber durchaus sportlich.  Eine Karte habe ich nicht bei mir, aber ich hoffe auf eine gute Beschilderung.

Nach 200 Metern auf einer breiten Zufahrtstraße geht es hinein in den Wald und nach weiteren 200 Metern habe ich das Gefühl, mitten in der Einsamkeit zu stehen. Der Wald riecht nach dem kommenden Frühling, auch wenn er sich noch nicht zeigen mag und Sam sich wälzend im Blätterwald des letzten Herbstes vergnügt. Mit Moss überwachsene Bäume und Äste verwandeln die Umgebung in einen mystischen Zauberwald. Der Wind raschelt durch die Bäume und ich freue mich, heute direkt losgelaufen zu sein. Jetzt bergauf, bergauf! Rechter Hand  begegnen uns erste Kunstwerke des Kunstweges Ars Natura, die eine Einheit mit der Natur bilden. Verschiedene Schutzhütten wie die Otto-Danneberg-Hütte und die Carl-Braun-Hütte befinden sich übrigens direkt am Weg und bilden perfekte Plätze für eine Pause, vor allem, wenn man mit Kindern unterwegs ist oder einfach sitzend die Stille genießen will.

Tief im Wald drinnen, entscheide ich mich spontan linker Hand waldabwärts zu gehen. Ob das noch der B1 ist, weiß ich nicht. Aber Hinweisschilder zeigen mir, dass ich trotz der totalen Einsamkeit hier gut aufgehoben und sicher bin. Ich erreiche nach einiger Zeit die älteste Schutzhütte Melsungen – das Schlangenhäuschen. Es wurde in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut und war ein beliebtes Ausflugsziel der Patienten der ehemaligen Reichsbahn-Lungenheilstätte. Für Entdecker: In der Hütte finden sich noch einige Tafeln mit Datum. Übrigens: Der Name Schlangenhäuschen kommt daher, da an der Hütte verdreht Äste angebracht waren. Heute sieht man an der Außenwand noch einige von ihnen. Ich mag diesen Platz, entscheide ich für mich. Und Sam knabbert vergnügt an einem dicken Ast.

Vorbei an der ältesten Schutzhütte in Melsungen finde das Schild mit dem Spruch „In diesem kühlen Grunde, wo die Schlangen hausten, halte lange Rast von der Alltags Hast“. Warum hier Schlangen haben hausen sollen, weiß ich nicht. Aber ich weiß umso mehr, was mir diese kurze Morgen sagt: Deine Auszeit war richtig. Du bist auf dem richtigen Weg, auch wenn du nicht weißt, wohin er dich führt.

 

Der Schlangenweg gibt seinem Namen alle Ehre, denn er schlängelt sich tatsächlich – immer weiter talabwärts. Eine kleine Schlucht türmt sich vor mir auf und ich denke an den Bartenwetzer, der hier gut und gerne den einen oder anderen Feind entsorgen könnte – eine Höllenschlucht irgendwie – rau und zerklüftet. Aber heute sehe ich hier keinen Bartenwetzer, dafür ein paar Rehe, die scheu auf Sam und mich hinabblicken. Und Sam erstarrt erfurchtsvoll.

Dann öffnet sich der Wald und ich sehe an den Schildern, das ich dem B2 oder 3 gefolgt sein muss. Egal, mit einer schönen Aussicht über Melsungen geht es zurück Richtung Schwimmbad, wo ich nach 80 Minuten Wanderzeit wieder ankomme.

Für Familien übrigens eine perfekte Sonntagskombination: eine zauberhafte Wanderungen durch den Bartenwetzerwald. Die Belohnung: Ein Besuch im schönen Schwimmbad, das je nach Jahreszeit ein Hallen- oder Freibadangebot hat. Tipp für Insider: Die verschiedenen Burger im Schwimmbad-Bistro sind der Hit und besonders bei den Kleinen extrem beliebt.

Links zum Thema:

Alle Bartenwetzer-Wanderungen im Überblick

Infos zum Schwimmbad

Bistro Flair im Schwimmbad

 

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