Super Mums – ein kritisches Plädoyer an uns selbst!“ – Review-Version

Plätzchen backen, mache ich lieber als das hier. Aber ich habe mir vor einem Jahr zum Ziel gesetzt, diesen Artikel zu schreiben: Eine Art Review aus dem Jahr, das alles andere als einfach werden sollte. Um ein ehrliches Resümee zu ziehen, egal, wie es ausgehen würde!

Wir schreiben heute den 23. November 2016. Es ist mehr als ein Jahr her, da schrieb ich diesen Artikel: „Super Mums – ein kritisches Plädoyer an uns selbst!“. Vielleicht erinnert sich die eine oder andere von Euch daran. Ich war Ehefrau, Mutter von zwei Söhnen, Tochter meiner Eltern, PR-Expertin für digitale Kommunikation in einem Kasseler Unternehmen. Immer unter Strom, niemals ohne Aufgaben oder Termine. Das Leben zerriss mich in mehrere Teile. Gesundheitlich an der Grenze meiner Belastung, nervlich weit drüber. Angst ließ mich nicht schlafen, wenn ich darüber nachdachte, welche Dinge ich am nächsten Tag zu erledigen hatte, wer mir gefühlt immer im Nacken saß oder wen ich nun mit meiner Art weh getan habe. Und als ich diesen Artikel schrieb und mir vor Augen führte, wie unser Leben aussieht, da war ich so erschrocken, dass ich die Notbremse zog. Wir diskutierten und überlegten, phantasierten. Und zwei Monate später kündigte ich meinen sicheren Job mit der Aussicht auf… erstmal nichts, die Arbeitslosigkeit. Immer noch besser als so weiterzumachen, wie bisher. Nochmal drei Monate später war ich draußen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Als Frau ist das in nur sehr wenigen Jobs möglich – und das mit großen Abstrichen. Auf jeden Fall nicht in dem Job, den ich hatte. Als Akademikerin, gut ausgebildet in meinem Fachbereich. Mit einem unbändigen Hang zur Perfektion. Mit Leidenschaft für den Job. Mit Kindern, die einen brauchten. Mit einem Sohn, von dem wir nicht wussten, ob er jemals wird auf eigenen Beinen würde stehen können. Die Eltern als Partner, die sich gegenseitig brauchen.

Man sagt immer, dass man auf seinen Körper hören sollte, auf Zeichen der Überforderung. Ich hörte meinen Körper laut und deutlich, aber ich schob die Symptome immer zur Seite: „Jetzt nicht / Morgen ruhe man sich aus / Der nächste Urlaub kommt bestimmt …“. In der Außenwahrnehmung war ich Meisterin der Perfektion. Selten sah man mir die Müdigkeit an, hatte ich doch alle Augenringe sorgfältig überschminkt. Beim Abschied sagte mir mein Chef, dass wir uns sowieso in drei Jahren wiedersehen würden. Spätestens dann würde ich wieder ins Unternehmen zurückwollen. Vielleicht hätten wir drauf wetten sollen…


Die ersten Tage nach dem Aus der Berufstätigkeit waren schlimm. Ich saß zu Hause und brauchte niemandem Rechenschaft zu leisten, was ich tat – außer vielleicht dem Arbeitsamt. Aber ich konnte nicht. Mein ganzer Körper stand so unter Druck, dass ich den Kaffee alleine am Morgen nicht genießen konnte. Dass ich die Ruhe im Haus nicht ertragen wollte. Also zog ich meine Stiefel an und wanderte mit Sam, unserem lieben Labrador, durch die Wälder, Stunden um Stunden. So weit weg von zu Hause, dass ich den Weg zurück nicht mehr kannte. Ich lachte und weinte, grübelte und zweifelte.

Sechs Wochen dauerte es, bis ich zur Ruhe kam. Irgendwann wurde mein Kopf leerer und leerer, und mein Körper mit ihm. Der Druck ließ nach und die Alpträume schwanden. Und mit dem Frühling kamen Pläne für die Zukunft. Nur dorthin, wo ich mal gewesen war, das wollte ich nicht. Nicht mehr Projektmanager sein mit Händen und Wünschen, die von allen Seiten an einem zerrten. Mit Aufgaben, die die eigene Fähigkeit überstiegen und zu denen man sich zwingen musste. Ich wollte mich konzentrieren auf das, was ich liebe, seitdem ich Kind war: Schreiben und kreativ sein – und das zurück in der Selbständigkeit. Der Businessplan war schnell erstellt, eine Steuernummer auf den Weg gebracht, eine kleine Webseite erstellt. Dann kamen die ersten kleinen Schritte. Ich schrieb für mich, an einem Buch, das schon länger auf sich warten lässt. Bald stellten sich die ersten Kundenkontakte ein, ohne dass ich viel hätte machen müssen. Ich war zwiegespalten. Würde es wirklich so einfach werden? Sicherlich nicht. Aber mein Mann an meiner Seite stärkte mich Tag für Tag: Ich sollte in meine Fähigkeiten vertrauen. Alles ablehnen, das ich nicht wirklich wollen würde. Ich solle mir selbst treu bleiben. Und mich einfach mal auf ihn verlassen. Er würde sich um uns kümmern.

011

Sechs Monate sind jetzt vergangen. Was seitdem passiert ist, hätte ich mir nicht in meinen Träumen vorgestellt. Dafür bin ich zu sehr Zweiflerin. Ich schreibe heute für eines meiner Lieblingsthemen „Architektur und Interior Design“. Mein Blog „Back mit Liebe“ füllt sich mit Leben und Reichweite, auch wenn er noch kein Geld abwirft, und ein Verlagshaus hat mich für ein unendlich cooles Projekt im Bereich Social Media-Management angefragt, das ich heute betreue. Und die Kinder? Die sind unendlich froh und dankbar, dass ich daheim bin, wenn sie von der Schule kommen. Dass ich nicht mehr so unter Strom stehe. Einer meiner Söhne war jeden Tag drei Stunden alleine zu Hause, bevor ich von der Arbeit kam. Nach meiner Kündigung beichtete er mir: „Mama, ich hatte immer ein wenig Angst zu Hause, zum Glück war wenigstens Sam da!“ Ich war erschrocken über seine ehrliche Aussage.


Würde ich den Anfang meines Textes aus dem letzten Jahr nochmal schreiben, würde er wohl so beginnen:

Ich bin Texterin und Bloggerin mit beruflichen Ambitionen aus Leidenschaft: Check!
Ich bin Ehefrau aus Leidenschaft: Check!
Ich bin Mutter zweier Söhne aus Leidenschaft: Check!
Ich bin Tochter aus Leidenschaft: Check!

Damit wir alle gut in den Tag starten, decke ich am Morgen liebevoll und in aller Ruhe den Frühstückstisch. Nach dem gemeinsamen Frühstück startet jeder von uns in den Tag. Wenn der Mann und die Jungs das Haus verlassen haben, räume ich auf und habe eine Stunde Zeit für mich. Ich dusche, gehe mit Sam in den Wald und trinke zu Hause in Ruhe einen zweiten Kaffee. Um 9 Uhr sitze ich spätestens am PC und arbeite. Ich halte es übrigens für kein Verbrechen mehr, wenn der Postbote klingelt, eine Freundin spontan vorbeikommt, weil sie mein Auto sieht und wir über den neuesten Tratsch quatschen. Und ich habe auch kein schlechtes Gewissen, wenn ich zwischendurch die Wäsche anstelle oder eine Stunde in den Garten gehe, um zu gärtnern. Am frühen Nachmittag kommt der große Sohnemann und erzählt von der Schule, bevor wir etwas essen und er in sein Zimmer verschwindet. Dann habe ich nochmals 2,5 Stunden Zeit, um zu arbeiten bis der andere Sohn aus der Schule kommt. Und dann erledigen wir die Dinge, die als Familie eben zu erledigen sind: Arzttermine, Einkäufe im Supermarkt, Erledigungen in der Stadt, Plätzchen backen oder dekorieren für die Vorweihnachtszeit, Hausaufgaben und Lernen für Klassenarbeiten. Und am Abend, da setze ich mich nochmal an den PC, wenn noch etwas zu tun ist…
Wenn die Kinder aus der Schule abgeholt werden müssen, dann ist das so. Und wenn die Eltern einen brauchen, dann muss man sich nicht rechtfertigen.
(To be continued)


Ich würde lügen, würde ich behaupten, ich wäre immer nur die Ruhe selbst. Dazu fehlt mir einfach der Charakter, der das zulassen würde. Aber immerhin bin ich ehrlich zu mir selbst und meinem Leben und habe mich zu einem Schritt entschlossen, der zuerst weh tat. Der aber notwendig war.

Vor vier Wochen starb ein guter Freund, jung, plötzlich und unerwartet, hinterließ eine Familie. Sein Tod führte uns allen vor Augen, dass wir nur dieses eine Leben haben. Und mit dem sollten wir sorgsam umgehen. Vielleicht klingt der Satz „Lebe jeden Tag als wäre es dein letzter!“ abgedroschen. Aber in Wahrheit entspricht er genau dem, was wir alle tun sollten. Ich bin dankbar dafür, dass mein Leben viel besser ist als noch vor einem Jahr. Perfekt ist es sicher nicht. Aber das ist ja niemand von uns und sollte nicht unser Anspruch sein.

77
Vielleicht noch das: Ohne meinen Mann wäre das alles nicht möglich gewesen. Er alleine hat mir den Mut gegeben, mich auf diesen Weg zu machen. Und ich weiß sehr genau, dass viele alleinstehende Mütter diese Chance nicht unbedingt bekommen. Weil es erst einmal ein finanzielles Risiko bedeutet, das man wagen muss. Deswegen gibt es kaum jemanden sonst, zu denen ich mehr hochschaue als Euch!

6 thoughts on “Super Mums – ein kritisches Plädoyer an uns selbst!“ – Review-Version

  1. Liebe Simone, ein mutiger Schritt ganz bestimmt! Und Du hast völlig Recht damit, daß man den nur mit einem Partner der hinter einem steht machen kann. Ich weiß was es heißt alleinerziehend zu sein und die Kinder allein daheim zu wissen. Leider hatte ich KEINE andere Möglichkeit. Ich wünsche Dir alles Gute weiterhin. LG Jutta

  2. Das war jetzt sehr spannend zu lesen und ich freue mich für dich und deine Familie, dass alles so wunderbar geklappt hat! Ich kann dein altes Leben als Alleinverdienerin in einer 4 köpfigen Familie sehr gut nachvollziehen. Und trotz dem Rückhalt durch den Mann an deiner Seite, war es ein mutiger Schritt! Hut ab!

Dein Kommentar? Gerne hier!