Sam – ganz viel Dreck und noch mehr Glück

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Wenn ich morgens die Augen aufschlage, stehst du an meinem Bett und schaust mich mit deinen braunen Kulleraugen an, erwartungsvoll, dass ich endlich aufstehe. Wenn ich mittags von der Arbeit heimkomme, ist deine Freude so groß, dass du mich im Zuge der Begrüßung fast vor Begeisterung umrennst. Und wenn ich krank bin, liegst du einfach nur ganz ruhig neben mir und schickst mir ruhige Vibes. Manche Freundschaften sind einfach nur zwischen Mensch und Tier möglich.

Du bist Sam, zwischen 7 und 8 Hundejahre alt – das macht gefühlte 50 Menschenjahre. Ein schwarzer Labrador mit grauem Bart, einem weißen Fleck auf der Brust, Schlappohren, ein Schwanz, der immer vor Freude wedelt, und irgendeiner anderen Hundeart drin. Irgendjemand hatte dich im Tierheim abgegeben weil er dich nicht mehr wollte. Vielleicht wegen deiner manchmal defekten Hüfte, vielleicht weil du langsam etwas alt wirst – wir werden es nie rausfinden.

 

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Dort im Tierheim haben wir dich kennengelernt. Eigentlich suchte ich nach einem kleinen Hund, den man mal schnell in die Tasche stecken kann – wo ich ungeduldiger Zeitgeist den Ton und das Tempo angeben kann. Aber kleine Hunde gab es nicht. „Da wäre aber der Sam, den wir gerne an eine Familie vermitteln würden“, sagte man uns. Und dann kamst du auch schon auf uns zugerannt, mit deiner stürmischen Art. Und wir waren sofort alle verliebt.

Was hat man mich gewarnt, vor der Zeit, die ein Hund in Anspruch nimmt, vor dem Geld, was er kostet und vor dem Dreck, den er macht. „Du und ein Hund? Mir deinem Hang zum Perfektionistischen?“ Egal. Ich habe alle Einwände in den Wind geschlagen. Manchmal muss man einfach das tun, was sich richtig anfühlt und sich auch mal außerhalb seiner Komfortzone bewegen.

Jetzt ist Sam eine Weile bei uns und nach einigen Monaten scheint es an der Zeit, ein ehrliches Fazit zu ziehen.

Ja, für eine Hund braucht man Zeit. Aber das, was so negativ belegt ist (Jemand nimmt uns Zeit weg), dreht sich plötzlich ins positive. Aus der Zeit, die man eigentlich nie hatte, wird dann Zeit, die man in sich investiert. Du bist draußen bevor die Sonne aufgeht. Du erlebst den Wandel der Jahreszeiten in einer Intensität, die du vorher nie gekannt hast. Du gehst Wege, die du vorher nie gelaufen bist. Und du nimmst Dinge im Wald und auf dem Feld wahr, die du früher missachtet hast. Dein Hund nimmt sich deine Zeit und teilt plötzlich deinen sonst so unstrukturierten Tag in sehr konkrete Häppchen auf. Das macht es nicht nur für dich, sondern auch für die Kinder einfacher. Es sei denn, er schaut dich mit deinen bettelndem Blick so an…. 😉

 

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Ja, für einen Hund brauchst du Geld. Das stimmt und wenn man mal ehrlich ist: die Tierarztbesuche tun schon weh 😉 Aber wie viel Geld geben wir für unseren sonstigen Kram im Alltag aus, den wir eigentlich nicht brauchen, das 8. Paar Schuhe, den 6. Mascara-Stift….? Am Ende ist es auch Geld, das man in sich investiert.

Ja, ein Hund gibt einem ganz viel – und vor allem auch von seinem Dreck. Korrekt, und auch hier will ich ehrlich sein. Vor allem unser Sam bringt alles mit nach Hause, was nicht niet- und nagelfest ist: seine Haarbüschel, die er vor allem in Zeiten des Fellwechsels überall lässt und aus denen du dir einen zweiten Hund filzen könntest; die Tennisbälle, die er im Gebüsch beim Club findet; Hölzer aller Größe und Form, die er voller Freude als Souvenir mit nach Hause bringt; den Sabber, wenn er mir beim Zubereiten des Abendessens zuschaut. Aber wir haben Besen, Tücher und Staubsauger- und am Ende des Tages fragt man sich, ob der Hund oder wir diejenigen sind, die den größeren Dreck veranstalten.

 

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Allen Unkenrufen zum Trotz: ich bin froh, dass wir uns für ihn entschieden haben, denn er bereichert unser aller Leben in allen Dingen. Das mag der eine oder andere nicht verstehen. Aber das ist auch nicht nötig. Uns tut er in jedem Fall gut!

Und für die, die sich irgendwann auf die Suche nach einem Hund machen sollten: geht in die Tierheime – die meisten Tiere, die dort sind, haben ein so gutes Herz und werden es euch danken, ein neues Zuhause gefunden zu haben.

 

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