Auf neuen Wegen: Raus aus der Komfortzone

Meine persönliche Komfortzone: das ist der Bereich, in dem ich mich sicher fühle. Sie ist der Bereich, den ich kenne. Und sie ist der Bereich, in dem ich zu Hause bin. Wie lange habe ich meine Komfortzone schon nicht mehr verlassen? Ziemlich lang. Denn sie verursacht in mir ein fieses mulmiges Gefühl, dass ich ganz gerne missen möchte. Das Problem dabei ist nur: Wir können uns nur dann weiterentwickeln, wenn wir uns auf den Weg begeben, Neues auszuprobieren und den Schritt über die selbst gemachte Grenze zu wagen.

In meinem Haus bin ich der  König. In meinem Auto auch. Und in meinem persönlichen Fachgebiet bin ich erfolgreich und souverän. Und auch die Rempensau mache ich gerne in der einen oder anderen Situation. Oder den Wadenbeißer. Alles easy, denn mein Ego steppt wie verrückt innerhalb seiner Komfortzone, ohne die Grenzen auch nur annährend gefährlich nah zu kommen. Aber ich habe ja nun meinen Job verlassen, um mich auf neue Wege zu begeben und weil ich einen Teil meines inneren Kreises zu hassen begann. Also bleibt mir nichts übrig, als meine Grenzen zu erweitern.

Also gehe ich heute nochmal in den Wald, den ich im festgesteckten Radius von 3 Kilometern gut kenne. Nur, dass ich heute einfach weitergehe und schaue, was passiert. Hört sich einfach an? Well, nicht für mich. Denn ich bin alleine und auf mich gestellt. OK, der Hund zählt mal nicht… Wer mich kennt, weiß: Ich hasse das Alleinsein. Habe es schon immer gehasst. Das will ich ändern oder mich selbst dazu nochmal befragen. Morgens also nicht viel nachgedacht.  Direkt den Hund an die Leine genommen, wieder die Gummistiefel an, Wasser eingepackt für den Fall, dass ich verloren gehe und sichergestellt, dass mein Smartphone zu 100 Prozent einsatzbereit ist.

Als ich im Wald an die Grenze meiner persönlichen Komfortzone komme, atme ich tief durch und setze bewusst die ersten Schritte. Ich bin übrigens wieder auf den Bartenwetzer-Wegen in Melsungen unterwegs – allerdings laufe ich nicht stur den Schildern hinterher, sondern ändere mal spontan die Richtung dahin, wo es schöner aussieht. Ich achte nur darauf, dass ich irgendwie einen Bogen laufe, damit ich wieder heimkomme. Nach 30 Minuten durch den einsamen Wald, bin ich fasziniert und ängstlich zugleich. Hier ist niemand mehr. NIEMAND. Noch nicht einmal mehr irgendwelche gewesenen Holzfällaktionen, die mir zeigen könnten: Hier war wenigstens vor Kurzen jemand. Vielleicht sitzt der Bartenwetzer hinter dem nächsten Baum und wartet grimmig mit seiner Axt? Oder die unsichtbare Hexe aus Blair Witch Projekt? Ich glaube, ich sollte demnächst weniger Horrorserien konsumieren.

Meine Angst ist das untrügliche Zeichen dafür, dass ich wirklich auf neuen Wegen unterwegs bin. Physisch und mental. 1.000 Gründe schießen mir durch den Kopf, warum ich auf der Stelle umdrehen und nach Hause gehen sollte. Aber nein. Ich weiß, dass das nur mein Kopf ist, der mir Streiche spielt. Zu Hause wartet gerade niemand und nichts auf mich.

Also laufe ich weiter. Und weiter. Und weiter. Bergauf und bergab. Ich komme vorbei an moosbewachsenen Ebenen, kleinen Schluchten, in denen die umgewehten Bäume des letzten Sturmes liegen, Bäume, die ihre Kronen hoch in den Himmel strecken, dunkle Nadelwaldabschnitte, durch die das erste Sonnenlicht des heutigen Tages fällt, bevor mich hier und da der Wald freigibt und mir schöne Aussichten über die Umgebung präsentiert. Und plötzlich verlässt mich für ein paar wenige Momente das Gefühl der Angst und ein Zauber von Zufriedenheit macht sich in mir breit.

Irgendwann weiß ich dann plötzlich wieder, wo ich bin und mich erreichen einige der Ars Natura-Kunstwerke auf dem Wanderweg. Zum ersten Mal nehme ich mir die Zeit und schaue mir die noch erhaltenen Themen genauer an.

Und dann ist wieder alles ganz einfach. Und ich bin stolz: Fast zwei Stunden habe ich außerhalb meiner Grenze  verbracht. Darauf könnte ich jetzt anstoßen. Aber ich genieße dafür lieber erst einmal ein gesundes 2. Frühstück und Kaffee. Und überlege mir mein nächstes Ziel.

Und wo habt Ihr schon einmal Eure Komfortzone überschritten?

B2_18
Mein Motto des Tages: auf dem Weg gefunden.

 

 

Dein Kommentar? Gerne hier!