Oliver Bottini – Mord im Zeichen des Zen

Da hat mir doch mein Mann schon im letzten Mai den prämierten deutschen Krimi „Zeichen im Mord des Zen“ geschenkt – ein Geheimtipp laut Verkäufer.

Zen

Okay, auch wenn ich mich hier oute: Ich bin kein Fan des Buddhismus; ein Asientrip würde mich niemals so reizen wie im Vergleich dazu ein Urlaub in den Schweizer Alpen. Und die Vorstellung, mich einmal nahe der chinesischen Mauer zu befinden, löst bei mir keine besonders euphorischen oder anderweitigen Gefühle aus. Vielleicht fristete „Mord im Zeichen des Zen“ von Oliver Bottini deswegen ein einsames Dasein auf meinem Nachttischschränkchen, zwar neben den vielen skandinavischen Krimis, Sachbüchern zum Thema Social Media und gefühlten 3000 Schöner Wohnen und Häuser-Magazinen. Aber in Zeiten von schwindendem Lesestoff, Krankheit und dem damit verbundenen im Bett liegen und sich Schonen und vielleicht auch Mitleid (wieso schenkt er mir denn so etwas?), landete der Krimi dann doch in meinen Händen…

Zunächst zur Geschichte:  Mitten im dichtesten Schneegestöber taucht in einem kleinen Ort nahe von Freiburg ein asiatischer Mönch auf – nur mit Sandalen und Robe bekleidet. Niemand kennt ihn, hat ihn je gesehen. Verletzt wandert er entschlossen durch den tiefen Schnee, scheinbar auf der Flucht. Doch vor wem? Hauptkommissarin Louise Boni von der Freiburger Kripo folgt ihm durch die Nacht hindurch, um herauszufinden: Wohin will dieser Mann und wer ist er?

Die Zeit schreibt: „So stark, so bildmächtig hat lange keiner mehr angefangen“ – und ich muss zugeben: Ja, die ersten 40 Seiten fesseln. Man denkt sich: Das ist mal etwas Neues, was so nicht zueinander passt. Nicht so wie die skandinavischen Sachen, die man längst kennt und alle nur noch immer und immer mehr brutaler werden. Das hier ist subtiler und macht es interessant. Ich opfere dafür sogar eine zusätzliche halbe Stunde meiner Schlafenszeit – und das muss schon etwas heißen.

Das Buch und der Mönch führen uns durch die Nacht und tiefer in die Sonderbarkeit der Hauptkommissarin Boni, die – je mehr man sie kennenlernt – sich aber wünscht, man hätte sie nie kennengelernt. Sie ist einsam, aus der Form gelaufen; sie säuft und bunkert ihre Vorräte unter der Spüle, im Badezimmer, in der linken Jackentasche – wenn es in einem Fall besonders gut läuft, kommen ihr sogenannte Jägermeistergedanken, die ihr helfen, dem Täter auf die Spur zu kommen. Komisch, wenn ich Jägermeister trinke, komme ich nur dem Kater auf die Spur… Naja, sei’s drum…

Zurück zum Krimi…

Der Mönch wandert und wandert. Ab ungefähr Seite 90 verschwindet der Mönch dann auf einmal hinter den Bergen – und war nicht mehr gesehen. Dafür geht es mit dem Autor dann in die Lehre des Zen-Buddhismus, in das Leben eines ebensolchen Klosters bis hin zum organisierten Kinderhandel, wo anscheinend das Zentrum des Falls begraben ist. Es scheint, als habe der Autor zwar gute Ideen für seine Geschichte, doch leider sind sie marginal und verschwinden ebenso wie der Mönch nach kurzer Zeit hinter den Bergen – ohne irgendein Gesicht hinterlassen zu haben.

Meine Hoffnung liegt nun auf der Hauptkommissarin Louise Boni – wenn keine Handlung da ist, bleibt manchmal der Blick auf den Hauptprotagonisten – das kennen wir ja aus den skandinavischen Krimis zu Genüge. Aber Louise Boni ist einfach nicht liebens- oder lesenswert. Sie ist irgendwie wie der Rest der Geschichte – fragmentarisch und ohne Seele – trotz Alkoholismus, einer Affaire mit einem Taxifahrer, der Sehnsucht nach Sex mit einem verheirateten Buddhismus-Experten, der beständigen Analyse ihrer Fehler und ihrer Suspendierung wegen des Alkohol-Konsums.

Am Ende bleibt ein Krimi, der unter den Erwartungen der ersten Seiten bleibt, ein Mönch, von dem man nicht weiß, was aus ihm wurde  – tot oder lebendig – und der Wirklichkeitsferne dieses Romas. Bleibt zu hoffen, dass Hauptkommissarin Boni noch länger in ihrem alkoholisierten Zwangsurlaub verbringt. Ein Wiedersehen zwischen uns beiden wird es wohl nicht mehr geben.

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