Liebesbrief an einen Kühlschrank

 Lieber Kühlschrank,

ich weiß doch – eigentlich müsste ich mich freuen, dass Du da bist – in meiner neuen, persönlich vom Schreiner angefertigten schneeweißen Küche, mit dem urigen Sichtmauerwerk und dem Stapel von Jamie Oliver-Büchern, dekoriert mit einem Setting aus grasgrüner Uhr und ein paar Zweige Petersilie im Glas.

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Wenn ich heimkomme, fallen die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf Dich zur Begrüßung. Wenn ich Dich öffne, strahlst du in deiner schönsten Helligkeit und zeigst mir brav, wie die Temperaturen in den verschiedenen Kühlebenen sind, damit ich bloß nicht zu viel Strom verbrauche und alle Lebensmittel den optimalen Kühlwert haben.  Und dein ganzes Wesen vermittelt mir: Ich bin für dich da, wenn du mich brauchst. Erdbeeren, Blaubeeren, ein bisschen Lachs und  eine kleine Schüssel Tiramisu – it’s just a perfect world.


Aber Du bist nicht nur nett, weißt du das? Wurst & Käse, Eier, Jogurts und Kaffe führen in deinem Bauch keine so perfekte Wohlfühlwelt. Es ist eng, dunkel, Freunde gibt’s nicht und wenn, dann nur Zweckfreundschaften und so schrecklich kalt. Niemand braucht diese Kälte mehr. Aber mal ehrlich! Kaum öffnet einer deine Türe, stehen die Jungs und Mädels darin Schlange, um deine puristisch gestaltete, cleane Wohnung zu verlassen. Das ist manchmal ganz schön egoistisch, weißt du das? Größe & Coolness sind auch nicht alles. Du könntest dich ruhig mal benehmen – denn am Ende leiden alle – außer dir. Typisch Mann!

Da ist zum Beispiel die Banane  – du, ja du meinst, die Banane sei sowas von Vintage und old fashioned und passt außerdem nicht zum grasgrün meines Dekokonzepts?  Die grünen gentechnisch frisierten Äpfel passten viel besser zu meinem Look & Stil? LASS die Banane zufrieden. Denn sie hat für uns eine Bedeutung, die Du dir mit deinem eiskalten Herz nicht vorstellen kannst.  Und niemals können wirst.

Was haben wir kürzlich vom Anti-Stress-Trainer gelernt? Den Morgen ohne Druck und mit guter Laune beginnen – NOOO Problem für mich – selbst in ungeduschter Version, mit zerzaustem Haar und noch nicht Herr der deutschen oder jedweder Sprache – alles easy going – bis ich merke: Du, lieber Kühlschrank, hast WIEDER die Banane vertrieben.

No banana in the morning? No love from the family.

Und schon gehen all die schönen guten Vorsätze, den Tag freundlich zu beginnen, UNAUSWEICHLICH den Bach hinunter.

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Zur Bedeutung der Banane am frühen Morgen im Haus „Franz Gleim 27“ für meinen Mann: Gehe niemals ohne Frühstück aus dem Haus! (okay….Kaffee ist auch Nahrung, oder?).

Und hier kommt die Rezeptur für ein ausgeglichenes Frühstück, das einen durch den Tag bringt. Jedwede Abweichung vom Fall kann in der unausweichlichen Katastrophe enden und das ist nicht gut:

  • Ein schwarzer Kaffee (PERFEKT! Ich nehm zwei! )
  • Ein Bio-Müsli  – „also Schatz, ich mag‘s ja am liebsten, wenn Du mir das Alnatura-Müsli mitbringst – und das gibt’s NUR im tegut-Supermarkt“ (ok, ich geh nochmal…)
  • Ein Glas Orangensaft (natürlich nur aus der GLASflasche, die sich grundsätzlich im Keller befindet – noch jemand mit so einer on-off-Beziehung zu Dir, lieber Kühlschrank)
  • Ein Jogurt (auf KEINEN Fall mit Zusätzen von Banane – Banene ist grundsätzlich nur frisch zu essen und in keinem weiteren Kontakt zu anderen Lebensmitteln)
  • Eine Banane (DA IST SIE WIEDER)

Zu sich genommen, wird das kleine Morgenmahl sitzend am Tisch in aller Ruhe – („ja Schatz, ich mach schon die Pausenbrote“) zu sich genommen.

Jedwede Abweichung vom morgentlichen Ritual: Crucial:

  • Der Kaffe ist aus? Akzeptabel, auch schwarzer Twinnings-Earl-Grey-Tee mit Milch ist alternativ möglich. (WHAT??? NO way)
  • Das Bio-Müsli ist aus  – ha, an dem Punkt wird man im Laufe der Jahre kreativ. Noch längst abgelaufene Rosinen oder Haferflocken im Schrank? Die verlängern sich toll in so einem Müsli und macht es noch viel gesünder als es eh schon war – und keiner merkt es. (Man muss nur aufpassen, dass die Rosinen nicht die Überhand nehmen!). Cornflakes, die die Kinder nicht mehr wollen? Einfach ein bisschen kleinbröseln – macht sich im Farbmix auch ganz ausgezeichnet.
  • Der O-Saft fehlt? Zugegeben, an dem Punkt wird’s hart. Manchmal geht auch Apfel- oder Multisaft, aber in KEINEM Fall ohne den Zusatz von Bananen (siehe oben).
  • Der Jogurt ist aus? („Och Mann Du blöder Kühlschrank. Gestern schaute mich die Verkäuferin im Supermarkt schon wieder ganz mitleidig an und meinte: „Das dritte Mal diese Woche hier?“ (Es war Montag…)) Aber meistens gibt es den Tiefen des Kühlschranks noch Grießpudding, Milchreis – alles, was Jogurt in Konstistenz ähnlich erscheint, ist im schlimmsten Fall möglich. Spätestens am Nachmittag kommt die FREUNDLICHE Erinnerung per Mail, doch noch einkaufen zu gehen.
  • Es gibt keine Banane – das, mein cooler Freund von der Küche, ist der Supergau und das weißt Du. Die Banane – die ist ein absolutes NO GO. Was dann passiert…..aber nein, lasst uns lieber von warmen Sommertagen unter einem grünen Apfelbaum und Lichtern am Baum denken….:-)

Am Ende bleibt: Immer genügend frisches Obst im Haus haben: Das macht die Familie und das Immunsystem froh!

Am Ende ein Tipp für mein abolutes Lieblings-Müsli, das jedem schmeckt. Versprochen!

Bircher Müsli

¾ Liter Milch
¼ Liter Sahne
1 Tasse Rosinen
1 Tasse Zucker
2 Becher Natur-Jogurt
2 Tassen Haferflocken
1 Apfel gewürfelt
1 Banane gewürfelt
2 Aprikosen oder Pfirsiche gewürfelt
Andere Beeren oder Früchte – je nach Jahreszeit
1 Zitrone

Die Sahne, Milch, Rosinen, Zucker, Joghurt und Haferflocken in einem verschließbaren Topf vermengen und über Nacht zugedeckt stehen lassen.  Am nächsten Tag die Früchte hinzugeben – hält 2-3 Tage.

Finally a perfect morning! Enjoy!

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