Schokoladenkuchen aus Syrien

Diesen fantastischen Kuchen aus Syrien müsst Ihr probiert haben!

Heute möchte ich Euch einen Kuchen vorstellen, der nicht nur irgendein Kuchen ist, sondern einer, hinter dem eine Geschichte steht – eine Geschichte, die meinen Blickwinkel auf Dinge verändert, der Flüchtlingskrise ein persönliches Gesicht gegeben hat.

Nein, diesen Kuchen habe ich ausnahmsweise mal nicht gebacken. Der arabische Kuchen kommt von einem Syrer, der mit seinem Sohn vor 1,5 Jahren in meinen derzeitigen Wohnsitz Melsungen gekommen ist. Gekommen hört sich so abstrakt an. Gekommen, das heißt in diesem Fall mit einem Boot das Mittelmeer überquert und sich dann auf einem langen Fußmarsch Richtung Deutschland gemacht hat. Über mehrere Flüchtlingsheime ging es immer weiter, bis Melsungen die neue Heimat wurde. Vater und Sohn sind alleine hier, während die Mutter mit ihren drei Töchtern in Syrien harrt und wartet, nachziehen zu können. Ob das für den 13-jährigen Sohn und seinen Vater so einfach ist? Wohl kaum, wie ich oft genug feststelle. Dann kommt in mir die Mutter durch, die sich vorzustellen versucht, in einer ähnlichen Situation zu sein. Gelingen tut mir das nicht.

 

Syrischer Kuchen

 

Männerhaushalt auf Syrisch

Wir unterstützen den kleinen Männerhaushalt als ehrenamtliche Paten so gut wir können. Wie es bei den meisten Flüchtlingen ist, fehlt es an allem. Immerhin: Eine Wohnung ist da. Doch die ist traurig eingerichtet, notdürftig ausgestattet. Es fehlt an deutscher Sprache und verständigt wird sich mehr mit Händen und Füßen; es fehlt dem Vater an Arbeit, denn zuerst müssen verschiedene Sprachkurse und Eingliederungsmaßnahmen durchlaufen, Papiere ausgefüllt werden. Und wer das Behördendeutsch kennt, weiß, wie schwer das sein kann.

Dafür läuft der Vater jeden Tag Stunden durch Melsungen, um in Kontakt mit Einheimischen zu kommen und unsere Sprache zu lernen. Und für den Sohn heißt es ab dem kommenden Schuljahr: Die Probezeit „Deutsch als Fremdsprache“ läuft aus und es geht in die normale Schulklasse: Das Deutsch muss einigermaßen sitzen und auch die traumatischen Erinnerungen an die Zeit der Auswanderung müssen irgendwie weggepackt werden.

 

 

Kochen, backen und den Haushalt schmeißen – und dann dieser Kuchen aus Syrien…

Auch Kochen, Backen und den Haushalt schmeißen, das musste der syrische Papa zu Hause nie – bis er mit seinem Sohn nach Deutschland kam. Wer glaubt, die Beiden würden sich aber nur von Fast Food ernähren, weil nichts Anderes machbar wäre: Weit gefehlt. Jedes Mal, wenn ich bei den Beiden vorbeigehe, zaubert der Vater ein typisch syrisches Mittagessen aus dem Hut oder – und da sind wir beim Thema – einen wirklich fantastischen Kuchen, der völlig simpel, aber luftig, leicht und lecker ist. In ihrer Wohnung gibt es kaum etwas, von einer gut ausgestatteten Küche mal ganz zu schweigen. Aber mit den wenigen Mitteln, die sie haben, kochen und backen sie für sich – und andere. Ich habe kaum Menschen getroffen, die so spontan gastfreundlich sind und dankbar für jede kleinste Unterstützung. Mittlerweile hat sich der Kuchen des Papas herumgesprochen – und dann backt er fröhlich wieder eine seiner vielen Varianten, um ihn überall mit hinzunehmen: „Hussain, Kuchen? Ja, Hussain einen Kuchen backen. Lecker!“, verständigt er sich in gebrochenem Deutsch, aber seine Augen strahlen, wenn er bemerkt, dass man seinen Backkünste so schätzt. Und alle sind begeistert, dass ein so einfacher Kuchen so aromatisch sein kann. Wer weiß: Vielleicht schafft es dieser Kuchen, zu einem Symbol für Melsungen zu werden, wie gut in unserer Stadt Integration funktioniert. Ich bin mir sicher: Ein Einzelfall ist das nicht.

Syrischer Kuchen – ohne Rezept?

Jedes Mal versuche ich, aus ihm rauszukitzeln, was sich im Kuchen befindet, jedes Mal komme ich ein bisschen weiter. Und es sieht so aus, als ob ich Euch das Rezept heute präsentieren könnte. Die Mischung erinnert ein wenig an den arabischen Harissa-Kuchen, der sehr beliebt ist. Allerdings kommt der mit einem Sirup aus Rosenwasser daher, das macht der Vater auf jeden Fall nicht. Dafür mogelt er manchmal einige Löffel Backkakao unter – schmeckt genauso toll und wird von den Kindern geliebt. Eigentlich würde ich sagen: Diesen Kuchen kann jeder. Allerdings sind die Mengenangaben schon ein wenig geschätzt. Insofern ist das Rezept für diejenigen von Euch, die gerne probieren, bis die richtige Mixtur stimmt.

 

Kuchen aus Syrien - lecker
So in etwa kommen die Kuchen in ihrer Rohform aus dem Ofen. Die lassen sich dann nach Belieben mit Puderzucker oder authentischer mit Sirup verarbeiten.

Zutaten

• 1 Tasse Semolina (Weichweizengrieß)
• 2 Tassen Mehl
• ½ Tasse Öl
• Einige Löffel Naturjogurt
• 1 Tasse Zucker
• 1 TK Backpulver
• 1 Tasse Kokosraspel
• Etwas geriebene Zitrone
• 2 Eier

Für den Sirup

• 3 Tassen Zucker
• 2 Tassen Wasser
• 1 EL Zitronensaft

Zubereitung

• Backofen auf 175 Grad vorheizen
• Runde Backform gut einfetten
• Eier und Zucker schaumig rühren. Öl, Grieß, Zitrone, Kokosraspel, Naturjogurt, Mehl und Backpulver zugeben und gut miteinander vermischen.
• Teig in die Form füllen und zwischen 40 und 45 Minuten backen, bis er locker und luftig ist. Mit einem Zahnstocher in der Mitte testen, ob der Kuchen gut ist.
• Kuchen aus dem Ofen nehmen und abkühlen lassen.
• Gegebenenfalls den Sirup über dem Herd mit den Zutaten einkochen lassen. Dann über den abgekühlten Kuchen gießen und mindestens 30 Minuten warten, bis er durchgezogen ist.

 

Syrischer Schokoladenkuchen

Also: Wer traut sich ran und versucht sich an diesem unendlich leckeren Kuchen? Zusammen schaffen wir es vielleicht, die richtigen Mengenangaben auszutüfteln. Was meint Ihr? 

In diesem Sinne: Bleibt gesund und passt auf Euch auf. Ich freue mich über viele Kommentare.

Eure Simone

Dein Kommentar? Gerne hier!