Buchrezension: Christopher Lück – Emma, der Kaktus und ich

Gerd, der Langzeitstudent und Traumtänzer mit Schriftsteller-Ambitionen, hatte noch Glück bei Frauen. Bis der Zufall ihm zur Hilfe kommt. Als Gerd im Botanischen Garten therapeutische Unterstützung für seinen vertrockneten Kaktus ‚Nopsi‘ sucht, trifft er auf die eigenwillige Gärtnerin Emma. Es ist Liebe auf den ersten Blick.

Der Klappentext

Gerd Gerthner, Langzeitstudent und liebenswürdiger Traumtänzer mit Schriftsteller-Ambitionen, hatte noch nie Glück bei Frauen. Bis der Zufall ihm zu Hilfe kommt: Als Gerd im Botanischen Garten therapeutische Unterstützung für seinen vertrockneten Kaktus ‚Nopsi‘ sucht, trifft er auf die eigenwillige Gärtnerin Emma. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Bis Emma schwanger wird – und kompliziert. Nach einem blöden Missverständnis schmeißt sie Gerd samt Kaktus aus der gemeinsamen Wohnung. Er sieht nur einen Ausweg: sich an einer Palme im Botanischen Garten, dem Ort ihres Kennenlernens, erhängen – und in letzter Sekunde von Emma gerettet werden.

Verlag: Goldmann
Veröffentlichung: Februar 2017
Autor: Christopher Lück
Seiten: 190
Format: Taschenbuch
Preis: 8,99 Euro


Das meine ich zum Buch

Die, wie der Klappentext beschreibt, turbulente Beziehungskomödie war vor zwei Wochen in meinen Postkasten geflattert. Mit seinem roten schönen Einband und dem witzigen Titel „Emma, der Kaktus und ich“ macht das Buch Lust, sich direkt in die Geschichte zu stürzen. Und das tue ich noch am gleichen Abend. Tatsächlich gehen die ersten 50 Seiten, wie im Flug herum, obwohl – das muss ich zugeben – ich schon einige Passagen sehr überreizt fand. Aber nun gut, viele Romane haben ihre langweiligen Seiten, durch die man sich durchkämpfen muss. Wieso sollte es dem Buch anders gehen. Es lagen ja noch über 100 Seiten vor mir. Der Stil ist durchaus umgangssprachlich und nichts, wo man sich am späten Abend auf dem Sofa noch groß Gedanken machen müsste, ob man den Sinn verstanden hat. Insofern eigentlich genau richtig, um in eine andere Welt abzudriften – das, was wir Frauen beim Lesen so gerne tun.

Allerdings lässt nach Seite 70 meine Lust am Lesen stark nach und ich muss mich nach ein paar Tagen bemühen, das Buch nochmal zur Hand zu nehmen. Die Witze sind mir zu flach, alles ist irgendwie over-the-top, Drama jagt Drama und alles wirkt so, als wolle der Autor uns die Witze mit der Keule injizieren – damit wir auch ja verstehen, dass es witzig ist. Aber leider ist subtiler Witz manchmal der bessere Weg wie wir von „High Fidelity“ von Nick Hornby auf grandiose Weise gelernt haben.

Spätestens ab Seite 91 vergeht mir die Lust am Lesen. Hier beginnt nämlich, sich die Komik komplett zu verirren – und zwar unter die Gürtellinie. Für den Nicht-Leser: Gerd trifft auf den Vater von Jana, der Postbote ist und dem ein Arm fehlt. Im Roman geht es dann nicht nur um Fragen, ob und wie man als Postbote mit einem Arm arbeiten kann, sondern es fallen auch Sprüche wie „Hast du in deinem Auto ein Arm-ab-turenbrett?“ oder „Buchst du auch am liebten bei Arm-ab-in-den Urlaub?“. Witzig? Finde ich nicht. Ich glaube nicht, dass sich Komik solcher Mittel bedienen und Menschen mit Behinderungen in den Dreck ziehen muss. Da mag ich spaßbefreit sein, aber dafür bin ich nicht zu haben, wüsste ich nicht, dass genau solche Sprüche und eine solche Denke es diesen Menschen im tatsächlichen Leben schwermachen. Und wer nun sagt, so etwas würde ja nur im Buch passieren, den sollte das Leben eine Besseren belehren.


Fazit

Danach war Gerd für mich nicht nur der liebenswerte Versager, sondern eher Vollidiot, und Objekt zum permanenten Fremdschämen. Leider fängt sich die Geschichte auch in meinen Augen nicht mehr und es ist ein mehr als harter Weg, bis zu den letzten Seiten zu lesen.
Ich weiß, dass es immer schwierig ist, wenn ein Roman nicht so bewertet wird, wie man es sich als Autor wünscht. Und ich habe tiefe Achtung vor jedem Autor, der sich durchbeißt, um einen Roman auf den Weg zu bringen – und dann sogar in einem angesehenen Verlag unterkommt. Insofern: Chapeau, Christopher Lück. Ich hoffe, er kann mit seinem Sinn für Humor bei anderen Personen besser landen als bei mir. Insofern gibt es von mir nur 2 Sterne für das Buch. Danke in jedem Fall für das Rezensionsexemplar!

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